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Die Fußball-EM in Frankreich – Das Arbeitsrecht gilt weiter

  • Germany

    08-06-2016

    Obwohl mit dem Austragungsland Frankreich „arbeitnehmerfreundliche” abendliche Anstoßzeiten gewährleistet sind, werden viele Fans während der Spiele im Betrieb arbeiten müssen. Dabei entsteht ein Kollisionsverhältnis von (ordnungsgemäßer) Erbringung der Arbeitsleistung und dem Bedürfnis, Fußballspiele live verfolgen zu können. Hier die wichtigsten Schlagworte:

    Live-Übertragung: Grundsätzlich kann eine konzentrierte, zügige und fehlerfreie Tätigkeit auch erbracht werden, wenn z. B. im Hintergrund ein Radio läuft. Wird die Arbeit der Arbeitnehmer sowie das Befinden anderer Kollegen und Kunden nicht gestört, ist das Radiohören auch während der Fußball-Weltmeisterschaft zulässig. Dies gilt hingegen nicht für die Übertragung von Spielen im TV. Hier kann grundsätzlich nicht mehr davon ausgegangen werden, dass eine konzentrierte und sorgsame Erfüllung der Arbeitsleistung möglich ist, wenn durchgehend visuell das Spielgeschehen nachvollzogen wird.

    Am häufigsten kommt es am Arbeitsplatz vor, dass ein Fußballspiel über das Internet über einen Live-Ticker verfolgt wird. Auch wenn hierdurch regelmäßig keine Kollegen gestört werden, ist die Zulässigkeit dieses Verhaltens differenziert zu betrachten: ist die private Internetnutzung am Arbeitsplatz verboten, scheidet diese Möglichkeit, ein Spiel zu „sehen”, aus. Ist die Internetnutzung zu privaten Zwecken hingegen erlaubt, ist zu beachten, dass selbst in diesem Fall ein exzessiver Gebrauch während der Arbeitszeit und damit das Ansehen eines ganzen Spiels nicht gestattet. Zulässig dürfte es aber sein, wenn sich Arbeitnehmer in regelmäßigen Abständen von ca. 30 Minuten über den Spielstand informiert.

    Lage der Arbeitszeit: In der Praxis bestimmt der Arbeitgeber in der Regel einseitig die Lage der Arbeitszeit kraft seines Direktionsrechts. Dabei ist der Arbeitgeber grundsätzlich nicht verpflichtet, die Fußballbegeisterung von Mitarbeitern zu berücksichtigen. Beschäftigte haben daher keinen Anspruch auf einen Wechsel in eine andere Schicht, um sich ein Fußballspiel anzusehen. In flexiblen Arbeitszeitsystemen besteht die Möglichkeit, dass Arbeitnehmer Arbeitszeitguthaben einsetzen, um sich die Zeit während eines Fußballspiels frei zu nehmen. Dabei sind allerdings die jeweils einschlägigen Bestimmungen der Arbeitszeitsysteme zu berücksichtigen.

    Arbeitskleidung: Unbedenklich ist in der Regel, wenn sich ein Arbeitnehmer als Fan „outet” und während der Arbeit z. B. ein Deutschlandtrikot trägt. Eine abweichende Bewertung ist aber insbesondere angezeigt, wenn nach der Verkehrssitte ein gewisses Erscheinungsbild erwartet wird.

    Alkohol: Kopfschmerzen bereitet Arbeitgebern hingegen oft das Thema Alkohol. Auch während der EM gilt aber: Ein absolutes einseitig vom Arbeitgeber angeordnetes oder durch eine Betriebsvereinbarung vorgesehenes Alkoholverbot im Betrieb ist nach überwiegender Auffassung ohne konkreten Anlass, z.B. Sicherheitsbedenken, unzulässig. Nicht hinnehmen muss ein Arbeitgeber aber, dass der Arbeitnehmer mit entsprechendem Restalkohol anlässlich eines Fußballspiels am Vorabend zur Arbeit erscheint, sofern die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist. Eine Vergütungspflicht entfällt. Erscheint der Mitarbeiter gleich gar nicht, weil er morgens noch stark alkoholisiert ist, kommt eine Entgeltfortzahlung wegen Arbeitsunfähigkeit nicht in Betracht, da der Mitarbeiter diesen Zustand selbst verursacht hat. Ist ein Arbeitnehmer während der WM-Spiele arbeitsunfähig erkrankt, ist er verpflichtet, Handlungen zu unterlassen, die die Genesung verzögern oder gar vereiteln könnten. Was insbesondere in Sachen „Public Viewing” im Biergarten erlaubt und was verboten ist, hängt daher von der Ursache der Arbeitsunfähigkeit ab. Die Teilnahme an einer WM-Party kann daher zulässig sein, soweit es die Genesung fördert oder der Grund für die Arbeitsunfähigkeit es zulässt, z. B. ein gebrochener Arm.

    Urlaubswünsche: Ein (kurzfristiger) Urlaubswunsch des Mitarbeiters ist zu berücksichtigen, wenn diesem nicht dringende betriebliche Belange oder Urlaubsbegehren anderer Arbeitnehmer entgegenstehen; sollten sich die Urlaubswünsche mehrerer Mitarbeiter überschneiden, muss eine Abwägung nach sozialen Gesichtspunkten erfolgen. Ein tageweiser Einsatz von Urlaub ist möglich, nicht aber eine stundenweise Urlaubnahme für die Dauer eines Fußballspiels.

    Betriebsrat: Die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats bleiben vollauf bestehen, d.h. insbesondere für Streitigkeiten bei Urlaubswünschen, Schichtpläne oder allgemein das Verhalten im Betrieb. Um Streitigkeiten zu vermeiden, ist es ratsam, den Betriebsrat direkt einzubinden, um eine einvernehmliche Lösung für alle arbeitenden Fußball-Fans herbeizuführen. Sonderregelungen sollten klar normieren, was erlaubt ist und was nicht.

    Disclaimer

    This information is for guidance purposes only and should not be regarded as a substitute for taking legal advice. Please refer to the full terms and conditions on our website.

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